Wer einen geliebten Menschen verliert, durchlebt verschiedene Phasen der Trauer. Wenn eine Beziehung zerbricht, wenn wir etwas verlieren, an dem unser Herz hängt, dann tut sich ein Abgrund auf, über den keine Brücke zu führen scheint. Besonders erschüttert sind wir, wenn wir einen uns vertrauten oder bekannten
Menschen an den Tod verlieren. Es tut sehr weh, Abschied nehmen zu müssen. Trauer ist eine Reaktion auf den Verlust, die viele Gesichter hat. Dabei sind Weinen und Schluchzen nur eine der vielen Ausdrucksformen der Trauer. Sie kann auch hinter Erschöpfung, Apathie, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Wut verborgen sein. Trauer löst wechselnde Gefühlszustände aus, die Trauernden Angst machen und die sie auch sehr einsam machen können. Denn selbst nahestehende Menschen sind oft überfordert und reagieren mit gutgemeinten Ratschlägen, die für die Betroffenen wenig hilfreich sind.

Phasen der Trauer – Die Schockphase

Phasen der TrauerTrauer ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Es gibt keine Regeln, aber viele Erfahrungen anderer. Gemeinhin wird der Trauerprozess in verschiedene Phasen eingeteilt, von denen die erste häufig als Schockphase oder als Phase des Nichtwahrhabenwollens bezeichnet wird. Betroffene sprechen davon, dass ihnen der Tod eines geliebten Menschen den Boden unter den Füßen wegzieht, dass sie sich wie amputiert fühlen, oder dass sie das Gefühl haben, der geliebte Mensch müsse doch gleich zur Tür hereinkommen. Die Schockphase kann Wochen oder auch Jahre dauern. Es ist die Phase der aufbrechenden chaotischen Emotionen.

Aufzeichnungen eines Pfarrers, dessen Frau mit 57 Jahren nach langer Krankheit verstorben ist:

Alle Details rütteln erneut an meiner mühsam gewonnen Fassung: Da ist die Küchenmaschine, da sind die Lebensmittel, die Medikamente … Und dann die Bilder. Da hat sie noch gelebt. Das war vor dem 28.9. um 18.40 Uhr. Ich befinde mich in einem emotionalen Chaos. Ich möchte mich der Verstorbenen in der gewohnten Weise zuwenden, aber ich laufe damit ins Leere. Das löst Angst aus, zieht mich in die Tiefe. Ich halte mich am Leben fest. Aber: Was ist mein Leben? Andere machen mir Mut zum Nichttrauern. Du brauchst nicht zu weinen. Sie hat es doch jetzt gut, ist von ihren Schmerzen erlöst. Oder: Christen glauben doch an die Auferstehung. Das sind gutgemeinte Worte. Aber sie helfen oft wenig.

Es tut gut, wenn andere Menschen da sind, die Trauernde begleiten und mit ihnen fühlen, die ihnen Mut machen, den Schmerz und die unterschiedlichen Phasen der Trauer auszuhalten und sie nicht zu verdrängen.

Literatur:

Verena Kast: Loslassen und sich selber finden

Yorick Spiegel: Der Prozess des Trauerns