Wenn das Bezirksamt bestattetNeulich fragte mich eine Familienangehörige, wo sie den Bestattungstermin einer verstorbenen Nachbarin erfragen könnte.

Ich habe mich dann ein wenig im Internet schlaugemacht. Gerade in einer anonymen Großstadt wie Berlin sterben ja viele Menschen einsam.

Ist kein Anverwandter da, der sich um die Formalitäten und die Bestattung kümmert und hat der Verstorbene selbst keine Vorsorge getroffen, veranlasst das Gesundheitsamt eine ordnungsbehördliche Bestattung.

Zuständig ist das Bezirksamt, in dessen Bereich der oder die Verstorbene zuletzt gemeldet war. Hier kann man Ort und Zeit der Bestattung erfragen. Solche Bestattungen von Amts wegen werden regelmäßig ausgeschrieben, wobei den Zuschlag der Bestatter mit dem günstigsten Angebot bekommt, denn die Kommunen müssen sparen.

Ordnungsbehördliche Bestattungen finden daher auf einfachstem Niveau statt. Manchmal finden sie wegen günstigerer Gebühren in weit entfernten Gemeinden statt.

Seit dem Wegfall des Sterbegeldes der Krankenkassen hat sich der Anteil der Sozialbestattungen und der ordnungsbehördlich angeordneten Bestattungen in Berlin drastisch erhöht. Inzwischen liegt er bei ca. 10% und ist damit im Vergleich zur Gesamtbevölkerung mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Und es gibt zunehmend Bestrebungen, die Kosten für diese Bestattungen weiter zu senken.

Immer häufiger finden sogenannte anonyme oder auch namenlose Beisetzungen statt; oft gibt es hier keine Trauerfeier in der Friedhofskapelle, keine Traueransprache, keine musikalische Begleitung, keine Erdbestattung, keine Grabinschrift.

Wird hier mit dem Verstorbenen seine Würde gleich mitbegraben?

Es ist aber nicht nur der Sparzwang der Kommunen, der für den Minimalstandard bei ordnungsbehördlichen Bestattungen verantwortlich ist. Im Berliner Bestattungsgesetz heißt es, ein [später noch in Erscheinung tretender] Bestattungspflichtiger könnte zumindest die Übernahme von Mehrkosten verweigern.

Wird vielleicht nicht sorgfältig genug nach Angehörigen der Verstorbenen gesucht?

Die Berliner Kulturanthropologin Francis Seeck berichtet in einem Interview davon, dass sie erst drei Monate nach dem Tod ihres Vaters über die ordnungsbehördliche Beerdigung informiert wurde und sie sich um ihre Trauer betrogen fühle. Zum Zeitpunkt seines Todes war sie im Ausland und damit nicht so schnell erreichbar. Ordnungsbehördliche Bestattungen bezeichnet sie als unwürdige bürokratische Vorgänge und in der Art, wie wir in Deutschland Menschen bestatten, sieht sie ein Abbild unserer Gesellschaft.

Quellen:
Arm und tot, der Weg einer behördlichen Bestattung, Deutschlandfunk Kultur
Sozialbestattung – Handreichung für Kirchengemeinden und evangelische Friedhöfe (PDF)
Interview mit Francis Seeck über ordnungsbehördliche Bestattungen