In meinem letzten Artikel ging es um die erste Trauerphase, die häufig auch Schockphase genannt wird. In meinem heutigen Blogeintrag geht es um die zweite Phase der Trauer, die bei vielen Autoren als kontrollierte Zwischenphase bezeichnet wird.

Die kontrollierte ZwischenphaseNach dem Tod eines geliebten und nahestehenden Menschen sind die Trauernden erst einmal abgelenkt, denn es gibt sehr viel zu bedenken. Die Wellen der Trauer und des Schmerzes, die sie niederringen wollen, müssen mit aller Kraft bezwungen werden, um die Zeit bis zur Trauerfeier zu überstehen. Viele Hinterbliebene sprechen davon, dass ihnen die Phase nach dem ersten Schock bis zur Trauerfeier wie eine Zwischenphase vorkommt, in der sie selbst nicht mehr am Leben teilhaben und alles, was um sie herum geschieht, als unwirklich erleben.

Wir schauen erneut in die Aufzeichnungen des 60-jährigen Pfarrers, der seine geliebte Frau verloren hat:

Ich werde in dieser Phase abgelenkt. Ich muss so vieles organisieren, ich funktioniere wie am Schnürchen. Ich erlebe das alles ziemlich unbeteiligt – wie ein Zuschauer. Man ist tot, mein ICH ist tot, leer zumindest; ich empfinde sogar Gleichgültigkeit! Es ist doch alles nicht mehr wichtig. Was ist mit „Von guten Mächten wunderbar geborgen“? Dann eher schon: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

Für Hinterbliebene ist es in dieser Zeit, da ihre Seele Schwerstarbeit leisten muss, besonders wichtig, Unterstützung und Hilfe zu erfahren. Es wäre unbarmherzig, sie jetzt in irgendeiner Form zu etwas zu drängen. Die Erledigung der Formalitäten kann ein Bestatter übernehmen. Um die seelsorgerliche Begleitung kümmern sich Pfarrerin oder Pfarrer; sie gestalten auch die Trauerfeier und halten die Trauerrede. Bei kirchenfernen Menschen übernehmen Trauerbegleiter und Trauerredner diese Aufgaben. Sie geben den Hinterbliebenen Trost und Halt, wohlwissend dass der Aufruf, einer möge des andern Last tragen, in solch einer Extremsituation an seine Grenzen stößt.

Beschließen möchte ich meinen heutigen Blogartikel mit einem Wort von Heinrich Heine, das meines Erachtens sehr treffend zum Ausdruck bringt, wie sich Trauernde in dieser Phase fühlen mögen und dass wir Zeiten der Hoffnungslosigkeit überstehen, indem wir über uns hinauswachsen:

Anfangs wollt ich fast verzagen,
Und ich glaubt, ich trüg es nie;
Und ich hab es doch getragen –
Aber fragt mich nur nicht, wie?