Neujahrsgruß 2019

Liebe Leserin, lieber Leser, erneut schließt sich der Jahreskreis, und es ist an der Zeit, einen Gruß an Sie zu richten. Manchmal fehlt mir vor den turbulenten Festtagen hierfür die Muße. Doch in Gedanken bin ich oft gerade bei den Menschen, die ich im vergangenen Jahr als Trauerrednerin ein Stück Weges begleiten durfte. Wie mag es Ihnen ohne den geliebten Menschen an Ihrer Seite gehen? Es heißt, dass das erste Jahr nach dem Verlust besonders schwer zu ertragen ist, der erste Geburtstag, das erste Weihnachtsfest, der erste Jahreswechsel… Auch wenn das vergangene Jahr noch schwer auf ihnen lastet, wünsche ich Ihnen den Mut und die Kraft, ins neue Jahr aufzubrechen und sich dem Leben wieder zuzuwenden. Möge innerer Frieden in Ihre Seele zurückkehren und Sie verständnisvollen Menschen begegnen, die Sie auffangen, wenn die Trauer Sie niederzuringen droht. Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben Menschen ersetzen kann und man soll das auch gar nicht versuchen; man muss es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. So drückte es der evangelische Theologie Dietrich Bonhoeffer aus. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in seinen Worten Trost finden. Mit herzlichen Grüßen Ihre Trauerrednerin Cornelia...

Ordnungsbehördliche Bestattungen – die Würde gleich mitbegraben?

Neulich fragte mich eine Familienangehörige, wo sie den Bestattungstermin einer verstorbenen Nachbarin erfragen könnte. Ich habe mich dann ein wenig im Internet schlaugemacht. Gerade in einer anonymen Großstadt wie Berlin sterben ja viele Menschen einsam. Ist kein Anverwandter da, der sich um die Formalitäten und die Bestattung kümmert und hat der Verstorbene selbst keine Vorsorge getroffen, veranlasst das Gesundheitsamt eine ordnungsbehördliche Bestattung. Zuständig ist das Bezirksamt, in dessen Bereich der oder die Verstorbene zuletzt gemeldet war. Hier kann man Ort und Zeit der Bestattung erfragen. Solche Bestattungen von Amts wegen werden regelmäßig ausgeschrieben, wobei den Zuschlag der Bestatter mit dem günstigsten Angebot bekommt, denn die Kommunen müssen sparen. Ordnungsbehördliche Bestattungen finden daher auf einfachstem Niveau statt. Manchmal finden sie wegen günstigerer Gebühren in weit entfernten Gemeinden statt. Seit dem Wegfall des Sterbegeldes der Krankenkassen hat sich der Anteil der Sozialbestattungen und der ordnungsbehördlich angeordneten Bestattungen in Berlin drastisch erhöht. Inzwischen liegt er bei ca. 10% und ist damit im Vergleich zur Gesamtbevölkerung mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Und es gibt zunehmend Bestrebungen, die Kosten für diese Bestattungen weiter zu senken. Immer häufiger finden sogenannte anonyme oder auch namenlose Beisetzungen statt; oft gibt es hier keine Trauerfeier in der Friedhofskapelle, keine Traueransprache, keine musikalische Begleitung, keine Erdbestattung, keine Grabinschrift. Wird hier mit dem Verstorbenen seine Würde gleich mitbegraben? Es ist aber nicht nur der Sparzwang der Kommunen, der für den Minimalstandard bei ordnungsbehördlichen Bestattungen verantwortlich ist. Im Berliner Bestattungsgesetz heißt es, ein [später noch in Erscheinung tretender] Bestattungspflichtiger könnte zumindest die Übernahme von Mehrkosten verweigern. Wird vielleicht nicht sorgfältig genug nach Angehörigen der Verstorbenen gesucht? Die Berliner...

Aus dem Alltag einer Trauerrednerin

Kraft geben, Trost spenden An ihre ältere Schwester Ute kann sie sich nicht erinnern. Cornelia Gennrich war erst zwei Jahre alt, als Ute an einer Impf-Unverträglichkeit starb. Und trotzdem ist ihr Bild fest in ihre Erinnerung eingebrannt: Jeden Tag sah sie Utes Foto an der Wand des elterlichen Wohnzimmers. Ein lachendes Mädchen mit einem Bügeleisen. Doch die Fragen, die sie stellte, blieben unbeantwortet. Wie war es, als Ute starb? Was für ein Mensch war sie? Was hat sie gern gegessen, welche Farben liebte sie, worüber hat sie gelacht? „In meiner Familie ging man mit dem Tod nicht anders um als in den meisten Familien. Er wurde verdrängt und verschwiegen, um den Schmerz in Schach zu halten“, sagt die 53-Jährige. „Vielleicht ist es einer der Gründe dafür, dass ich Trauerrednerin werden wollte.“ (…) Am meisten freut sich Cornelia Gennrich, wenn Angehörige nach einer Trauerfeier Streit begraben können. Sie erinnert sich an die Beerdigung eines Mannes, bei der die Kinder aus beiden Ehen sich feindlich gegenüber saßen. Sie sprach diese Kluft in ihrer Rede an und verschwieg nicht, dass der Verstorbene über die Zerrissenheit seiner Familie traurig war. „Später habe ich einen Brief von einem der Söhne bekommen. Offenbar konnte ich den Kindern helfen, ihren Vater zu verstehen. Sie haben Frieden mit ihm geschlossen.“ Lesen Sie den vollständigen Artikel über meine Arbeit als Trauerrednerin in der Ausgabe der „Von Frau zu Frau“...

Neujahrsgruß

Neujahrsgruß: Allen Leserinnen und Lesern meines Blogs wünsche ich ein gesundes und friedvolles neues Jahr. Denen, die im letzten Jahr von einem geliebten Menschen Abschied nehmen mussten, wünsche ich, dass sie sich in ihrer Trauer nicht alleine gelassen fühlen und immer wieder Trost erfahren dürfen. Hier denke ich besonders an die Familien, die ich als Trauerrednerin ein Stück des Weges begleiten durfte. Ihnen gilt mein Neujahrsgruß in besonderer Weise. Was das neue Jahr uns bringt, wissen wir noch nicht. Der Philosoph Søren Kierkegaard hat es in einem berühmt gewordenen Zitat sehr treffend formuliert: Man kann das Leben nur rückwärts verstehen; leben muss man es aber vorwärts. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für 2017, Sie mögen die schönen Stunden mit Freude genießen und sich in schweren Stunden getröstet und getragen wissen! Mit herzlichen Grüßen Ihre Trauerrednerin Cornelia...

Warum Trauerreden halten eine Kunst ist

In letzter Zeit ging es in verschiedenen Presseartikeln immer wieder um die Frage, ob das Halten von Trauerreden Kunst sei oder nicht. In meinem neusten Blogartikel können Sie lesen, warum ich diese Frage für mich bejahe. Meine Arbeit besteht in der Kunst, die Trauer der Hinterbliebenen in die richtigen Worte zu übersetzen und dabei stets den passenden Ton zu treffen, um in sorgfältig gewählten und abgewogenen Worten ein individuelles Gedenken zu ermöglichen. Die liebevollen, dankbaren, aber auch schmerzhaften Erinnerungen werden zu einem lebendigen Strauß aus leuchtenden oder auch gedeckten Farben zusammengebunden, der so unverwechselbar und einzigartig ist wie es der/die Verstorbene und sein/ihr Leben waren. Daher ist auch jede Trauerrede ein Unikat, das ich den Hinterbliebenen nicht nur selbstverständlich aushändige, sondern in enger Abstimmung mit ihnen erarbeite. Denn nur über ihre Erzählungen kann ich mir ein Bild vom/von der Verstorbenen, seinem/ihrem Leben und den Beziehungen, die Hinterbliebene und Verstorbene verbanden, machen. All das ist von größter Wichtigkeit für das Gelingen meiner Rede. Hier gleicht meine Arbeit der einer Bildhauerin, die immer wieder an ihrem Modell Maß nimmt, um ein möglichst originalgetreues Porträt zu erstellen. Doch gleich einem Konzentrat, das erst durch Zugabe von Flüssigkeit sein volles Aroma entfalten und seine bestimmungsgemäße Konsistenz erhalten kann, gelangt die Trauerrede erst durch meine Stimme und meinen gestalterischen Vortrag zur vollen Blüte. Dabei sind die gestalterischen Mittel so facettenreich wie die Inhalte. Bisweilen schlüpfe ich in verschiedene Rollen, etwa, wenn ich aus dem Tagebuch der Verstorbenen zitiere oder auch Kindheitserinnerungen nacherzähle, um den Vortrag so lebendig wie möglich zu gestalten. Erzählungen, Anekdoten, Tagebucheinträge, musikalische Vorlieben werden liebevoll aufgegriffen und miteingeflochten. Auch für Witziges...