Kraft geben, Trost spenden

An ihre ältere Schwester Ute kann sie sich nicht erinnern.

Cornelia Gennrich war erst zwei Jahre alt, als Ute an einer Impf-Unverträglichkeit starb. Und trotzdem ist ihr Bild fest in ihre Erinnerung eingebrannt: Jeden Tag sah sie Utes Foto an der Wand des elterlichen Wohnzimmers. Ein lachendes Mädchen mit einem Bügeleisen.

Doch die Fragen, die sie stellte, blieben unbeantwortet. Wie war es, als Ute starb? Was für ein Mensch war sie? Was hat sie gern gegessen, welche Farben liebte sie, worüber hat sie gelacht?

„In meiner Familie ging man mit dem Tod nicht anders um als in den meisten Familien. Er wurde verdrängt und verschwiegen, um den Schmerz in Schach zu halten“, sagt die 53-Jährige. „Vielleicht ist es einer der Gründe dafür, dass ich Trauerrednerin werden wollte.“ (…)

Den Schmerz der Hinterbliebenen in Worte fassen - Grabrede

Am meisten freut sich Cornelia Gennrich, wenn Angehörige nach einer Trauerfeier Streit begraben können. Sie erinnert sich an die Beerdigung eines Mannes, bei der die Kinder aus beiden Ehen sich feindlich gegenüber saßen. Sie sprach diese Kluft in ihrer Rede an und verschwieg nicht, dass der Verstorbene über die Zerrissenheit seiner Familie traurig war. „Später habe ich einen Brief von einem der Söhne bekommen. Offenbar konnte ich den Kindern helfen, ihren Vater zu verstehen. Sie haben Frieden mit ihm geschlossen.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel über meine Arbeit als Trauerrednerin in der Ausgabe der „Von Frau zu Frau“ (3/17)